Perspective

Technologie

Reportage

Meilenstein: Paketfahrzeug «Mathilde» neu ohne Sicherheitsfahrer hinter dem Lenkrad unterwegs

19. Mai 2026

Gemeinsam mit dem Tech-Start-up LOXO haben wir die Zukunft unserer City-Logistik mit dem «Planzer – Dynamic Micro-Hub with LOXO» in einem innovativen Projektumfeld getestet. Das Pilotprojekt für hochautomatisiertes Fahren in der Innenstadt von Bern geht jetzt in die nächste Runde.

::Über LOXO

LOXO ist ein Schweizer Unternehmen für autonome Fahrtechnologie und entwickelt den softwaredefinierten digitalen Fahrer für urbane autonome Level-4-Anwendungen. Seit 2021 gehört LOXO zu den Pionieren der autonomen Logistik in Europa und betreibt seit mehr als drei Jahren autonome Fahrzeuge auf öffentlichen Strassen in der Schweiz und Deutschland. Durch die Kombination von fortschrittlicher KI und skalierbarer Softwarearchitektur ermöglicht LOXO sichere und effiziente autonome Einsätze in komplexen urbanen Umgebungen. Gemeinsam mit starken Logistik- und Industriepartnern gestaltet LOXO die Zukunft der autonomen Logistik und nachhaltigen Mobilität in Europa.

Ein Meilenstein für die automatisierte City-Logistik – in der Schweiz und Europa

Seit Herbst 2024 ist unser hochautomatisiertes Lieferfahrzeug Mathilde in Bern unterwegs. Nun erreicht das Projekt «Planzer – Dynamic Micro-Hub with LOXO» die nächste Entwicklungsphase: Mathilde fährt ab sofort im Berner Stadtgebiet ohne Fahrer hinter dem Lenkrad im öffentlichen Strassenverkehr. Damit setzen Planzer und LOXO gemeinsam einen wichtigen Meilenstein für die automatisierte Gütermobilität in der Schweiz und Europa. Die Überwachung erfolgt aus der Ferne. Zusätzlich sitzt weiterhin ein Sicherheitspassagier auf dem Beifahrersitz, der als Rückfallebene dient. Grundlage für diesen Schritt ist die Bewilligung des Bundesamts für Strassen ASTRA für den definierten Einsatzbereich in Bern.

«Mit diesem Schritt zeigen wir, dass automatisierte Fahrzeuge nicht nur technologisch funktionieren, sondern sich auch in reale Logistikprozesse integrieren lassen. Genau darin liegt der entscheidende Fortschritt – und das Potenzial für die Zukunft der urbanen Gütermobilität.»

Nils Planzer, CEO Planzer Transport AG

Vom Pilotbetrieb auf dem Weg zur Anwendung im Regelbetrieb

Mathilde ist Teil des Konzepts «Dynamic Micro-Hub». Dabei verbindet das Fahrzeug das Planzer Bahncenter beim Berner Güterbahnhof mit mehreren zentrumsnahen Umschlagspunkten. Dort werden standardisierte Wechselboxen effizient ausgetauscht. Anschliessend übernehmen unsere Zustellfahrerinnen und Zustellfahrer die Pakete und liefern sie mit ihren Zustellkleinfahrzeugen auf der letzten Meile in der Berner Innenstadt aus. So lassen sich Transporte bündeln, Standzeiten reduzieren und innerstädtische Fahrten gezielt minimieren.

Das Projekt zeigt: Automatisierte Fahrzeuge funktionieren nicht nur technologisch, sie können zukünftig auch sinnvoll in bestehende Logistikprozesse und in den Regelbetrieb integriert werden.

Planzer Paket und LOXO Fahrzeug
Fahrzeug von LOXO
Planzer Paket und LOXO und Kyburz

Schweizer Pionierarbeit mit Relevanz in Europa

Während fahrerloses Fahren in anderen Teilen der Welt bereits stärker sichtbar ist, verfolgt Europa einen bewusst schrittweisen und sicherheitsorientierten Ansatz: regulieren, validieren, absichern – und erst danach skalieren. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt von Planzer und LOXO an. In den vergangenen Monaten wurde Mathilde im realen Betrieb getestet – bei komplexen Verkehrssituationen, wechselnden Wetterbedingungen und im Zusammenspiel mit bestehenden Logistikprozessen. Dass nun keine Person mehr hinter dem Lenkrad sitzen muss, ist das Ergebnis dieser kontinuierlichen Leistungsnachweise und zeigt das Potential für die Zukunft.

«Skalierbarkeit im autonomen Fahren entsteht nicht durch mehr Fahrzeuge allein, sondern durch nachgewiesene Systemleistung und eine robuste Sicherheitsarchitektur»

Amin Amini, Mitgründer und CEO, LOXO AG

Überblick über die 5 Stufen des automatisierten Fahrens

Stufe 1: Assistiert
Bei Stufe 1 unterstützen Assistenzsysteme entweder die Längs- oder Querführung des Fahrzeugs, beispielsweise beim Bremsen, Beschleunigen oder Lenken. Die Verantwortung bleibt jedoch jederzeit vollständig bei der Fahrerin oder beim Fahrer, welche das System permanent überwachen müssen.

Stufe 2: Teilautomatisiert
In Stufe 2 kann das Fahrzeug Längs- und Querführung gleichzeitig übernehmen. Die Fahrerin oder der Fahrer bleibt weiterhin verantwortlich, muss das Verkehrsgeschehen laufend überwachen und jederzeit eingriffsbereit sein.

Stufe 3: Bedingt automatisiert
In Stufe 3 übernimmt das Fahrzeug sämtliche Fahraufgaben innerhalb definierter Einsatzbereiche, beispielsweise auf Autobahnen. Die Fahrerin oder der Fahrer darf sich zeitweise anderen Tätigkeiten widmen, muss jedoch jederzeit bereit sein, die Kontrolle auf Aufforderung wieder zu übernehmen.

Stufe 4: Hochautomatisiert
In Stufe 4 fährt das Fahrzeug innerhalb eines definierten Einsatzgebiets selbstständig und bewältigt auch komplexe Verkehrssituationen eigenständig. Ein menschlicher Eingriff ist selbst im Notfall nicht zwingend erforderlich, da das System selbstständig einen sicheren Zustand herstellen kann.

Stufe 5: Vollautomatisiert
In Stufe 5 übernimmt das Fahrzeug sämtliche Fahraufgaben vollständig autonom. Ein menschlicher Fahrer ist nicht mehr erforderlich.

Ähnliche Beiträge