Perspective

Antriebstechnologie, Unternehmensverantwortung

Pascal Aegerter, Filialleiter bei Planzer Leasing und Verantwortlicher für das Flottenmanagement.

planzer.ch

Interview

Nachgefragt bei Planzer Leasing

27. April 2026

Die Planzer Leasing beschäftigt sich mit allen Themen rund um unsere Flotte. Wir haben bei Filialleiter Pascal Aegerter nachgefragt, was das konkret bedeutet und welche internen und externen Faktoren die Entscheidungen in der Flotte beeinflussen. Dabei blicken wir auch in die Zukunft und klären, welche gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in naher Zukunft im Flottenmanagement von besonderer Bedeutung sein werden.

Pascal Aegerter, Filialleiter bei Planzer Leasing und Verantwortlicher für das Flottenmanagement.

planzer.ch

// Planzer: Pascal, wie lange bist du bei Planzer und in welchem Bereich bist du tätig?
Pascal: Ich arbeite seit neun Jahren bei Planzer. Angefangen habe ich in der Technik im Kundendienst. Dann habe ich in den Leasingbereich gewechselt. Hier bin ich inzwischen seit zwei Jahren als Filialleiter tätig.
// Was gehört zu deinem Verantwortungs- und Aufgabenbereich?
Kurz gesagt: Alles, was mit Fahrzeugen zu tun hat. Dazu gehört die klassische Fahrzeug- und Staplerbeschaffung, also der Einkauf. Ebenfalls dazu zählt die Beschaffung und Organisation von Treibstoffen und Ladestationen für unsere E-Flotte. Zudem sind wir für das gesamte Handling während des Einsatzes der Fahrzeuge bis hin zum Verkauf zuständig.
// Was erwarten Kunden von Planzer in Bezug auf nachhaltige und alternative Antriebstechnologien?
Die Erwartungen sind gestiegen. Unsere Kunden wollen immer detaillierter wissen, was wir zugunsten von nachhaltigen Transporten unternehmen. Bedeutung und Beachtung des Themas wachsen unbestritten. Das hat nicht zuletzt mit gesellschaftlichen Entwicklungen, mit der zunehmenden politischen Tragweite und damit einhergehenden Regulierungen und Anforderungen an unsere Kundschaft zu tun.

«Anfragen von Kunden zu nachhaltigen Transportleistungen werden grundsätzlich qualifizierter und gehen immer mehr ins Detail.»

Pascal Aegerter, Leiter Planzer Leasing
// Wie hat sich diese Nachfrage entwickelt?
Die Anfragen haben zugenommen. Auch hinsichtlich Qualität und Detailgenauigkeit gibt es eine Dynamik. Zu Beginn war es ein Herantasten. Es ging darum herauszufinden, welche Lösungen es am Markt überhaupt gibt und was im Einsatz sinnvoll ist. Im Laufe der Zeit sind die Anfragen deutlich konkreter geworden und gehen mehr ins Detail. Auftraggebende und Mitarbeitende haben sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Entsprechend stehen bei den Anfragen heute Lademöglichkeiten, Reichweiten und Kosten deutlich stärker im Mittelpunkt.
// Welche politischen und gesetzlichen Entwicklungen müsst ihr bei der neuen Flottenstrategie besonders berücksichtigen?
Die Anpassung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe, kurz LSVA, wird uns weiterhin beschäftigen. Aktuell ist noch nicht abschliessend geklärt, wie und ab wann die neuen Abgaben gelten. Aber sie kommen, das ist sicher. Entsprechend vorausschauend müssen wir heute über die Beschaffung nachdenken. Also darüber, wie, wann und womit wir die aktuellen Fahrzeuge ersetzen. Weitere Herausforderungen stellen die Weiterentwicklung der Motorentechnologien, der Schritt zur Euro-VII-Norm sowie neue und strengere Sicherheitsvorschriften dar.
// Wie gehen wir mit der Herausforderung um, dass nachhaltige Technologien oft höhere Investitionen in den Bereichen Anschaffung und Infrastruktur erfordern?
Hier ist eine klare und transparente Kommunikation gegenüber den Filialen entscheidend. Wir dürfen in der Anschaffung nicht nur das Fahrzeug allein betrachten, sondern müssen aufzeigen und einberechnen, dass nachhaltige Technologien – speziell Elektroantrieb – stets mit höheren Gesamtinvestitionen, etwa in die Ladeinfrastruktur, verbunden sind. «Grüne» emissionsarme Transporte sind gefragt und bieten einen Mehrwert. Zu Beginn sind sie aber vor allem eine Kostenfrage. Diese Aspekte müssen wir transparent und realitätsnah an unsere Kundschaft weitergeben können.
// Sprechen wir konkret von E-Mobilität: Was hat sich bei den E-LKW getan?
Meiner Meinung nach haben die Hersteller von E-LKW in den letzten zwei Jahren enorme Fortschritte gemacht. Sie warten mittlerweile nicht mehr mit Testfahrzeugen auf, sondern mit komplett einsatzfähigen Modellen. Gerade die Reichweiten werden immer grösser, was für den Einsatz zentral ist. Aktuelle Fahrzeuge schaffen rund 500 km. Vor einigen Jahren waren es knapp mehr als die Hälfte. Auch die Lieferfristen neuer Modelle haben sich auf einem guten Niveau eingependelt. Eine Sattelzugmaschine ist innerhalb von etwa vier bis fünf Monaten lieferbar. Vieles hat sich also positiv entwickelt.
// Wo besteht aktuell die grösste Herausforderung in der Praxis?
Bei der Ladeinfrastruktur, insbesondere im Hinblick auf Netzleistung, Leitungen und Gebäudeeinrichtungen. Gleichzeitig gewinnt mit der steigenden Zahl von E-Fahrzeugen die effiziente Nutzung der Ladeplätze an Bedeutung. Schon heute sind diese oft von Fahrzeugen belegt, die keinen Ladebedarf mehr haben oder bereits vollständig geladen sind. Da es künftig nicht für jedes Fahrzeug einen eigenen Ladeplatz geben wird, braucht es eine vorausschauende Planung und eine koordinierte Steuerung der Ladezeiten.
// Welche Chancen und Möglichkeiten ergeben sich für uns durch Entwicklungen und Anpassungen bei der Flotte? Sollten wir hier First Movers sein?
Im Bereich der E-Mobilität haben wir bereits einige Projekte umgesetzt. Ein First oder Early Mover zu sein, bringt auch Nachteile mit sich. Die Reichweiten der Fahrzeuge steigen laufend und die Beschaffungskosten sind im Vergleich zu den Anfängen deutlich gesunken. Ältere Fahrzeuge sind daher grundsätzlich teurer und haben geringere Reichweiten. Als First Mover sehe ich uns hingegen beim Kraftstoffeinsatz von Hydrotreated Vegetable Oils, kurz HVO. Wir waren die erste Transportfirma in der Schweiz, die dieses Produkt einsetzte. Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht und werden den Einsatz in Zukunft weiter ausbauen.

«Wir verfolgen den Ansatz der Technologieoffenheit und wollen uns nicht verschliessen, sondern bleiben zugänglich für unterschiedliche alternative Antriebstechnologien und Möglichkeiten, Treibstoffe herzustellen.»

Pascal Aegerter, Leiter Planzer Leasing
// Welche weiteren Antriebstechnologien werden neben der Elektrifizierung von Bedeutung sein?
Politisch wird heute stark auf die Elektrifizierung gesetzt. In den nächsten Jahren wird sich jedoch einiges ändern. So könnten synthetische Kraftstoffe oder Wasserstoff zu einem grösseren Thema werden. Für Planzer wird auch HVO weiter eine Rolle spielen. Wir verfolgen den Ansatz der Technologieoffenheit und wollen uns nicht verschliessen, sondern bleiben zugänglich für unterschiedliche alternative Antriebstechnologien und Möglichkeiten, Treibstoffe herzustellen.
// Mit welchen äusseren Einflussfaktoren auf unsere Flotte werden wir in näherer Zukunft rechnen müssen?
Die LSVA bleibt sicher auch in Zukunft ein Schlüsselthema. Selbst wenn die Abgaben angepasst werden, lassen sich nicht alle Fahrzeuge sofort auf Euro VII umstellen. Euro VI wird noch längere Zeit im Einsatz bleiben. Auch die Strompreise dürften tendenziell steigen, was sich auf die Einsatzkosten unserer E-LKW auswirkt. Aktuell werden bestimmte Technologien noch gefördert oder steuerlich entlastet. Langfristig werden diese Erleichterungen ebenfalls wegfallen. Gleichzeitig wird durch erhöhte CO₂-Abgaben und andere staatliche Steuern der Einsatz alternativer Technologien zusätzlich lohnender.

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